Ein ökologischer Wandel, der auch über die Flasche verläuft
Der Weinbau steht heute im Zentrum der Umweltfragen. Zwischen der Weiterentwicklung landwirtschaftlicher Praktiken, regulatorischem Druck und steigenden Erwartungen der Konsumenten suchen Produzenten nach konkreten Lösungen, um ihre Auswirkungen zu reduzieren. Dennoch wird ein oft unterschätztes Element zu einem entscheidenden Faktor für den CO₂-Fussabdruck von Wein: die Flasche.
Die Herstellung von Glas basiert auf einem anspruchsvollen Know-how, das hohe Temperaturen und einen kontrollierten Energieverbrauch erfordert. Auch wenn dieser Aspekt eine ökologische Herausforderung für die Branche darstellt, stellt er die grundlegenden Vorteile von Glas nicht infrage: ein edles, inertes und unendlich recycelbares Material. Die Weiterentwicklung besteht daher nicht darin, Glas zu ersetzen, sondern seine Nutzung neu zu denken. In diesem Zusammenhang erscheint die Wiederverwendung von Flaschen als sinnvoller Ansatz.
Wiederverwendung: eine intelligente Rückkehr zur Kreislaufwirtschaft
Anstatt Glas systematisch zu recyceln, bietet die Wiederverwendung einen nachhaltigeren Ansatz. Eine Flasche wird gesammelt, gewaschen, kontrolliert und anschliessend wieder in Umlauf gebracht. Dieser Kreislauf kann sich vielfach wiederholen, ohne die Qualität des Behälters zu beeinträchtigen.
In der Praxis kann eine Flasche ein- bis zweimal pro Jahr befüllt und bis zu fünfzig Mal wiederverwendet werden. Das bedeutet, dass sie über mehrere Jahrzehnte im Umlauf sein kann, wodurch die Produktion neuer Flaschen und damit verbundene CO₂-Emissionen erheblich reduziert werden.
Dieses Modell entspricht voll und ganz der Logik der Kreislaufwirtschaft, bei der Abfall zur Ressource wird und jedes Produkt auf Langlebigkeit ausgelegt ist.
Siebdruck und Reinigung: konkrete Lösungen für die Wiederverwendung
Mehrere Kunden haben sich für eine Personalisierung mittels Siebdruck entschieden, um ihre Flaschen waschbar zu machen. Dadurch kann auf Papieretiketten und Klebstoffe verzichtet werden, die oft mit wiederholten Waschvorgängen nicht kompatibel sind. Tatsächlich bietet der Siebdruck eine ausgezeichnete Beständigkeit gegenüber industriellen wie auch häuslichen Waschzyklen und gewährleistet die Haltbarkeit der Dekore ohne optische Beeinträchtigung.
Diese Lösung ist Teil eines nachhaltigen Ansatzes, da sie die Wiederverwendung von Behältern fördert und die Abfallproduktion durch beschädigte oder nicht recycelbare Etiketten reduziert. Zudem vereinfacht sie die Reinigung und das Recycling am Ende des Lebenszyklus, da keine unterschiedlichen Materialien getrennt werden müssen. Der Siebdruck trägt somit dazu bei, die Lebensdauer der Flaschen zu verlängern und gleichzeitig ihre gesamte Umweltbelastung zu reduzieren.
Univerre: Schweizer Expertise im Dienste der Nachhaltigkeit
Seit 1987 gilt Univerre als Referenz im industriellen Flaschenwaschen. Mit einer Verarbeitungskapazität von bis zu 24 Millionen Flaschen pro Jahr spielt das Unternehmen eine Schlüsselrolle beim Aufbau eines gross angelegten Wiederverwendungssystems.
Das im Herzen des Wallis gelegene Waschzentrum von Univerre basiert auf strengen Kontrollen in jeder Phase. Jede Flasche wird präzise geprüft, um sicherzustellen, dass keine Rückstände, Fremdkörper oder Defekte vorhanden sind. Regelmässige Kontrollen in Zusammenarbeit mit einer Ingenieurschule stärken dieses Qualitätsniveau zusätzlich und gewährleisten den Produzenten eine konstante und zuverlässige Qualität.
Eine Logistik, die den Alltag der Produzenten erleichtert
Die Wiederverwendung kann nur mit einer reibungslosen Logistik funktionieren. Deshalb hat Univerre ein umfassendes System entwickelt, das den Winzern die Flaschenverwaltung erleichtert. Die akzeptierten Formate decken eine grosse Bandbreite an Standards ab und ermöglichen eine hohe Flexibilität in den Produktionslinien.
Über das Waschen hinaus bietet Univerre auch konkrete Lösungen zur Vereinfachung des Transports und zur Abfallreduktion. Wiederverwendbare Kisten ersetzen Einwegkartons und lassen sich sowohl in professionellen Kreisläufen als auch in der Gastronomie (HORECA) oder bei Privatpersonen einsetzen. Diese logistische Entscheidung trägt dazu bei, den ökologischen Fussabdruck zu reduzieren und gleichzeitig die Abläufe zu optimieren.
Waschbare selbstklebende Etiketten zur Reduzierung von Verlusten
Ein historisches Hindernis für die Wiederverwendung von Flaschen sind Verluste beim Waschprozess, die häufig durch ungeeignete Etiketten verursacht werden. Um dieses Problem zu lösen, hat Univerre in Zusammenarbeit mit einem belgischen Unternehmen ein waschbares selbstklebendes Etikett entwickelt, das die Effizienz des Prozesses deutlich verbessert.
Dank dieser Innovation kann die Verlustrate von Flaschen von 18 % auf nur 5 % gesenkt werden. Dieser Gewinn ist nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich, da jede zurückgewonnene Flasche eine direkte Einsparung für den Produzenten darstellt.
Eine nachhaltige und wirtschaftlich sinnvolle Lösung
Die Einführung der Wiederverwendung von Flaschen ist nicht nur eine Umweltmassnahme, sondern auch eine strategische Entscheidung. Durch das richtige Gleichgewicht zwischen Waschen und dem Kauf neuer Flaschen können Produzenten ihre Produktionskosten senken und gleichzeitig ihre Abhängigkeit von Rohstoffen verringern.
In der Schweiz ermöglicht dieser Ansatz zudem die Reduzierung bestimmter Kosten im Zusammenhang mit der vorgezogenen Entsorgungsgebühr, was den wirtschaftlichen Vorteil des Modells weiter verstärkt. Nachhaltigkeit wird so zu einem Wettbewerbsfaktor und nicht zu einer Einschränkung.
Ein ganzheitlicher Ansatz zur Umweltwirkung
Was Akteure wie Univerre wirklich auszeichnet, ist ihr Engagement entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Das Waschzentrum wird mit Solarpanels betrieben, die Förderanlagen funktionieren elektrisch und der Transport entwickelt sich hin zu immer umweltfreundlicheren Lösungen, insbesondere durch den Einsatz von Elektro-LKWs und elektrischen Gabelstaplern.
Der Prozess selbst ist darauf ausgelegt, den Ressourceneinsatz zu minimieren. Die Waschmittel werden gefiltert und wiederverwendet, das Wasser wird in jeder Phase optimiert und Materialien wie Kapseln oder Etiketten werden gesammelt und recycelt. Diese geschlossene Kreislauflogik ermöglicht es, die Umweltbelastung weit über den reinen Waschprozess hinaus zu reduzieren.






